LES BLANCHISSEURS – Verboten und doch veröffentlicht

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February 26, 2016

blog.arthistoricum.net 25.2.2016 Barbara Wagner

Honoré Daumier, Les Blanchisseurs.
Le bleu s’en va mais ce diable de rouge tient comme du sang.
La Caricature, 23.08.1832 (DR 39)

 

Wie das Daumier-Register vor wenigen Tagen auf der Web-Site bekannt gab, ist ein Version des berühmt gewordenen Blattes „Die Weißwäscher“ aufgetaucht, die es gar nicht geben dürfte. Dieter und Lilian Noack zeichnen dabei den Weg nach, den dieser Schwarz-Weiß-Druck genommen haben könnte. Freilich sind aufgrund der Aktualität des Fundes bislang eher Mutmaßungen über die Existenz der Karikatur möglich. Aber sie klingen auf Anhieb schlüssig, bedürfen jedoch noch weiterer Hinweise und Bestätigungen.

Deshalb sei auch in diesem Forum die Diskussion um die Authentizität der Karikatur eröffnet. Bekanntlich gibt es unterschiedliche Meinungen über beschlagnahmte und zensierte Karikaturen, ihre Echtheit wird oft in Frage gestellt.

Bei der fraglichen Grafik handelt es sich nicht um einen sur blanc Druck, der auch nachträglich hätte erstellt werden können. Auf der Rückseite gibt der Text eindeutig Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Zeitschrift „Le Charivari“ die ab Dezember 1832 publiziert wurde. Im Vorfeld versuchte Philippon mögliche Abonnenten zu gewinnen und druckte hierfür eine Art Werbeprospekt, in dem verschiedene Künstler ganzseitige Lithografien beisteuerten. Mehrere dieser Prospekte sind erhalten und deshalb auch der Text bekannt, der sich genau auf dem nun aufgetauchten Blatt befindet. Insofern ist die scheint die Karikatur echt zu sein.

Jener Prospekt mit der zensierten Karikatur, die Daumier für mehrere Monate hinter Gitter brachte, muss demnach auch sehr schnell aus der Druckerei in Umlauf gebracht worden sein, da ihm andernfalls die sichere Vernichtung drohte. Schließlich ist die Karikatur Daumiers in ihrer politischen Stellungnahme durch die Zensurbehörde als hoch brisant eingestuft worden. In der Ausgabe der Zeitschrift „La Caricature“ vom 23. August 1832 ist nur ein Hinweis auf das Blatt zu finden (Spalte 754 – digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/caricature1832/0198). Die Grafik selbst fehlt. Philippon verweist jedoch zugleich auch auf das Verlagshaus Aubert, in dem die Lithografien zu erwerben sind. So kamen die Weißwäscherinnen doch noch ans Tageslicht und an die Öffentlichkeit!

Dargestellt sind der Oberstaatsanwalt Persil (1785-1870), der Innenminister d’Argout (1782-1858) und der Kriegsminister Marschall Soult (1769-1851). Gemeinsam versuchen sie, die Tricolore zu bleichen. Die Farbe Blau ist in der Farbversion der Karikatur bereits verblichen. Das Blau symbolisiert die Freiheit – jene war nach Ende der Julirevolution 1830 stark eingeschränkt worden. Die Farbe Rot erweist sich laut Kommentar der Waschfrauen als hartnäckig wie Blut (Le bleu s’en va mais ce diable de rouge tient comme du sang.). Rot ist in diesem Fall mit Brüderlichkeit der Linken gleichzusetzen. Ziel der drei Vertreter der Regierung ist ein reines Weiß, die Farbe der Royalisten.

Es war also ein sehr gewagtes Unterfangen Philippons – sollte sich die Vermutung noch durch weitere Indizien bestätigen lassen. Schließlich warb er mit diesem Blatt für eine wesentlich unpolitischere Zeitschrift – während Daumier zu jener Zeit vermutlich noch in Haft saß, als jene die Zensur umgehenden Publikation in Umlauf kam. Derzeit ist nur dieses eine Blatt bekannt. Ein neuerlicher und gründlicher Blick in die Archive könnte sich lohnen!

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